Hanna Stiegeler

 

 

Porträt Hanna Stiegeler, Goldrausch 2017

Fünf Fragen an …

Hanna Stiegeler wurde 1985 in Konstanz geboren. Sie studierte zunächst Romanische Philologie an der Universität Leipzig, dann Kunst mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Heidi Specker, an der Universität der Künste Berlin bei Josephine Pryde und an der Akademia Sztuk Pięknych/Studio Mirosław Bałka in Warschau. Ihre Arbeiten waren u.a. in Ausstellungen im Grassimuseum in Leipzig, im Museum für Stadtgeschichte Warschau, bei BSMNT in Leipzig, im Kunstraum Ortloff in Leipzig und in der Basis in Frankfurt am Main zu sehen.

Woran arbeitest du aktuell?

Gerade arbeite ich an mobilen Skulpturen aus Alu. Es handelt sich um eine Art von Gerüst, ein Zwischending zwischen Inneneinrichtung und Außengerüst, zwischen Innenraum und Außenraum

Was interessiert dich in deinen aktuellen Arbeiten?

In meiner Kunst geht es immer um ein Ausloten der vermeintlichen Dichotomien des Innen und des Außen. Ich komme aus der Fotografie. Da war die Kamera für mich immer eine Prothese des Auges, ein Apparat, mit dem sich Innen und Außen verbindet, genau wie Körper und Raum. In meinen Arbeiten beschäftige ich mich mit dem Körper als Display, an dem ich auch gesellschaftliche Themen darstellen und ablesen kann. In einer Arbeit habe ich mich zum Beispiel mit Lady Hamilton beschäftigt. Im Zusammenhang mit dem Begriff Attitüde ging es darum, wie Lady Hamilton die Darstellungen griechischer Mythologien auf Kupferstichen und Gemälden nachgestellt hat.

Wie kommst du auf solche Ideen?

Das geschieht bei mir oft über Bildanalogien. Ich habe ein Bild im Kopf, stelle eine Verknüpfung her und gehe dem nach. Neulich bin ich die Karl-Marx-Straße entlanggelaufen, eine Straße voller Objekte. Da ist mir ein Kleid an einer Schaufensterpuppe aufgefallen, direkt vor einer Baustelle. Ich habe das im Closeup aufgenommen. Der Materialkontrast war für mich ein Inspirationsmoment, weil ich gemerkt habe, dass dieses Bild viele Dinge beinhaltet, die in meiner Arbeit schon vorher eingeflossen sind.

Wenn du die Arbeit anderer Künstlerinnen betrachtest, was beeindruckt dich?

Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist: Wie kann man als Künstlerin in einem Kunstbetrieb bestehen, der durch Trend geprägt ist? Mich beeindrucken Künstlerinnen und Künstler, die ihre Kunst über eine lange Zeit hin weiterentwickeln und so auf Dauer bestehen können.

Warum hast du dich bei Goldrausch beworben?

Weil ich für mich zum Kunstbetrieb Fragen beantworten wollte, die im Studium nicht wirklich Thema waren und auch um über mein eigenes Netzwerk hinaus in Kontakt mit anderen Künstlerinnen zu kommen.

Interview: Beate Scheder
Foto: Marie-Luise Marchand

 

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