Maja Wirkus

 

 

Porträt Maja Wirkus, Goldrausch 2017

Fünf Fragen an …

Maja Wirkus, geboren 1980 in Neustettin, Polen, studierte Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel, wo sie 2014 mit Auszeichnung abschloss. Ebenfalls in Kassel gründete sie 2004 die Produzenten-Galerie Loyal und leitete diese bis 2006. Von 2009 bis 2010 besuchte sie die Sint-Lucas Universiteit Beeldende Kunst in Gent, Belgien. In Warschau begann sie 2013 das Forschungsprojekt zur Architekten- und Künstlergruppe Praesens, welches bis 2014 mit dem Stipendium der Otto-Braun-Stiftung unterstützt wurde. 2018 setzt Wirkus diese Forschung mit der Förderung des DAAD in Wrocław und einem Stipendium der Hessischen Kulturstiftung in New York fort. Ihre Arbeiten wurden im Haus der Photographie/Deichtorhallen in Hamburg (2016), bei C/O Berlin (2016), im Fridericianum in Kassel (2016), in Mexico City, Poznan, Lille und Gent ausgestellt.

Unsere Zeit ist geprägt von einer wahren Bilderflut. Was interessiert dich als Künstlerin an Fotografie?

Was mich an der Fotografie interessiert, ist die Überlagerung und Überschreibung von Informationen. Sowie das Verhältnis von Fotografie und Architektur und die Abhängigkeit beider Sprachsysteme voneinander.

Woran arbeitest du gerade?

Seit einigen Jahren schon beschäftige ich mich mit den Architekten der Gruppe Praesens, deren Ideen und Zusammenarbeit im CIAM. Bilder werden bewusst auch manipulativ eingesetzt. Das wird uns heute wieder stärker vor Augen geführt. Ich untersuche die Auswirkungen der politisch motivierten Spaltung der Menschen am Beispiel der sich verändernden Freundschaft zwischen Walter Gropius und Helena Syrkus vor und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wie gehst du dabei vor?

Ich recherchiere in Warschau, Berlin und New York.
Einige Bilder, die ich in Archiven gefunden habe, wiederholen sich über die Zeit. Was sich uns darüber ins Bildgedächtnis einschreibt, beruht oft auf Kopien und auf Kopien von Kopien. Die eigene fotografische Arbeit, Auszüge aus dem Archivmaterial und aus Interviews übersetze ich schließlich in Collagen, raumbezogene Installationen und Objekte.

Mit welchen Techniken arbeitest du?

Die Erfahrbarkeit bestimmter Oberflächen oder die Zustände eines Materials sind sehr wichtig. Sie evozieren Erinnerungen, Gefühle oder ein Wissen, welche Zugänge zur Arbeit sein können. Zum Beispiel habe ich für eine Serie von Objekten mit weißem, hochfestem Beton gearbeitet. Darin wird die Zeichnung von Papier und Klebeband sichtbar. So entsteht eine subtile Spur, die einerseits den Herstellungsprozess sichtbar macht, andererseits auf die Kontexte verweist, in denen die Idee entstand.

Warum hast du dich bei Goldrausch beworben?

Bezeichnenderweise sitzt Goldrausch in einem Gropius-Pavillon. Die Frage der Chancengleichheit, zu der Goldrausch einen praktischen Beitrag leistet, beschäftigt mich, gerade auch zwischen Polen und Deutschland.

Interview: Beate Scheder
Foto: Maja Wirkus

 

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